Ein GLück, ich bin ich!

Fantastisch! Ich bin abnormal - hochsensibel und abnormal      

                                                                       

Jetzt wunderst du dich vielleicht, wie ich so etwas sagen kann. Weshalb ist diese Frau gerne abnormal...

spinnt die etwa? Viele werden das so auffassen und mich als etwas verrückt abstempeln. Aber das ist mir mittlerweile egal. Ganz im Ernst.

 

Ich möchte gar nicht (mehr) so sein wie alle anderen. Viel lieber bin ich etwas schräg. Viel lieber bin ich einfach ich.

Das war natürlich nicht immer so.

Ganz und gar nicht. Viel eher hatte ich wohl in der Vergangenheit versucht, bloß nicht aufzufallen, bloß den Mund zu halten und mich schön brav der Gesellschaft anzupassen. Vor allem in meinem Berufsleben als Erzieherin. Nie hatte ich meinen Mund aufgemacht, immer bin ich mitgeschwommen aus Angst, abgeleht zu werden. Bis ich es dann 2012 doch tat. Oh je! Das kam dann im Team gar nicht so gut an und beendet war mein Arbeitsverhältnis. Das war natürlich erstmal ein harter Brocken für mich. Doch schon das Jahr zuvor gingen große Veränderungsprozesse in mir vor.

 

Mein Körper streikte, meine Seele rebellierte.

 

Etwas musste geschehen. Ein nicht gelebter Anteil in mir wollte endlich gehört und gelebt werden. Die wahre Alexandra. Die, die Freiheit liebt. Die, die gerne ihr eigener Chef ist. Die, die größer und grenzenloser denkt. Die, die viel Ruhe und Rückzug braucht. Die, die sich nicht immer anpassen will. Die, die Rebellin ist und ein Künstler-Herz besitzt. Und die, die ein ziemlich unkonventionelles Leben führen möchte und deren Traum es ist im, warmen Süden am Meer zu leben.

 

Klingt für´s Erste vielleicht gar nicht so abnormal. Doch was ist, wenn

 

ich dir erzähle, dass mein Partner 39 Jahre älter ist als ich. Was, wenn du wüsstest, dass ich daran glaube, dass alles möglich ist. Was würdest du von mir halten, wenn ich dir sage, dass ich im Winter manchmal schon um acht oder neun Uhr abends ins Bett gehe. Was, wenn du wüsstest, dass ich total ungern unter vielen Menschen bin. Dass mich das regelrecht erschöpft und ich dann einen ganzen Tag brauche, um mich wieder zu finden. Kannst du dir vorstellen, dass ich schon nach drei Stunden Arbeit im Büro fix und fertig bin und nicht mehr klar denken kann. Wie verändert sich dein Blick auf mich, wenn ich dir erzähle, dass Zigarettenrauch unerträglich ist für mich und ich Müdigkeit und Hunger kaum ertragen kann. Und ich noch nie einen Thriller geschaut habe, weil mich das nicht nur abstößt, sondern auch wirklich richtig ängstigt. Und was hältst du von einer Frau, die die Einsamkeit liebt und sich auch in einer Beziehung diese Allein-Sein-Stunden für sich frei hält?

Krass? Nicht für mich. Wie gesagt, ich bin in meinem Denken ziemlich frei. Und heute kann ich endlich sagen: Zum Glück!

 

Viele der beschriebenen Dinge haben nicht nur mit meiner Persönlichkeit bzw. meinem tiefsten inneren Wesen zu tun, sondern auch mit meiner Hochsensibilität. Die gehört einfach mit dazu. Von Geburt an.

 

Was ist Hochsensibilität?

 

Pionierin auf diesem Gebiet ist die amerikanische Psychologin Elain Aron, die 1997 damit begann, dieses Phänomen zu erforschen. Hochsensibilität wird in der Psychologie als eine Veranlagung des Temperaments beschrieben. Elain Aron geht davon aus, dass ca. 15 - 20 Prozent der Weltbevölkerung hochsensibel sind.

Hochsensibilität ist angeboren und keine Krankheit. Hochsensible Menschen besitzen tatsächlich ein sensibleres Nervensystem, was sie zu einer feineren Wahrnehmung und intensiver Empfindungsfähigkeit sowie einer sorgfältigen Informationsverarbeitung befähigt.

Da Hochsensible deutlich mehr wahrnehmen als Normalsensible fühlen sie sich dann auch schneller überreitzt. Sie brauchen verstärkt Rückzug und Ruhe. Als HSP (high sensitiv person) verspürt man strake emotionale Empfindungen und reflektiert Ereignisse im Leben überdurchschnittlich. Hochsensible sind meist introvertiert, schüchtern und gehemmt und neigen zu Perfektionismus. Sie suchen nach dem Sinn des Lebens, sind oft spirituell veranlagt und lieben die Natur. Mit ihren feinen Antennen nehmen sie kleinste Details und größere Zusammenhänge wahr. Bei Kunst, Literatur, Philosophie und Stille-Erfahrungen geht ihnen das Herz auf (angelehnt an ein Kapitel aus dem Buch "Hochsensibel ist mehr als zart besaitet" von Sylvia Harke).

Es entsteht ein Gefühl von Eins-Sein und Alles-ist-gut. So würde ich es zumindest beschreiben.

 

Im deutschsprachigen Raum hat sich, meines Erachtens,  Georg Parlow erstmalig mit dem Thema der Hochsensibilität an die Öffentlichkeit gewagt. Er schrieb dazu das Buch "Zart besaitet". Auch er ist selbst hochsensibel. Ebenso wie Sylvia Harke. Sie ist, wie Elain Aron, Diplom Psychologin und hat kürzlich ihr zweites Buch herausgebracht. Sie hat zusammen mit ihrem Mann Arno die hsp-academy gegründet und gibt Coachings, Workshops und hält Seminare. Alles zu ihrem Spezialgebiet, der Hochsensibilität.

 

Wenn du das Gefühl hast, auch anders als die Anderen zu sein, evtl sogar darunter leidest, dann kann ich dir diese drei Bücher und auch Sylvia Harke als Coach wärmstens empfehlen.

Als ich 2012 auf Empfehlung einer hochsensiblen Freundin das Buch von Georg Parlow gelesen hatte, war ich dermaßen erleichtert, das kannst du dir gar nicht vorstellen.

 

Endlich habe ich mich verstanden gefühlt, endlich wusste ich, es gibt noch andere wie mich und endlich war die befreiende Erkenntnis da: Hey, ich bin nicht verrückt, sondern einfach nur hochsensibel. Wie geil!

Seither kann ich mir vieles viel besser erklären, stehe zu mir und meinen Bedürfnissen, lebe sie auch und empfinde es als etwas ganz Besonderes diese feinen Fühler zu haben.

 

Nein, ich möchte nicht mehr tauschen. Ich bin glücklich, die zu sein, die ich bin.

Und ich hoffe zutiefst, dass auch du das von dir sagen kannst :-)

 

Ein lieber Gruß

von Herz zu Herz

 

Alexandra

 

 

P.S. Noch kurz was ganz anderes:

Bitte verzeih evtl. Rechtschreibfehler und/oder falsch gesetzte Kommata.

Das ist leider beides nicht so ganz meine Stärke. Aber auch das ist ok. Und da ich nicht bei jedem Artikel auf meinen lieben Freund Claus zurückgreifen möchte, der mein herzallerliebster Lektor ist, sind meine Zeilen evtl. nicht immer ganz perfekt.

Und ganz zum Schluss noch ein Gedicht von mir das sehr gut zu meinem Artikel passt. Es ist meinem ersten Gedichtband, "Über Gott und die Welt" aus dem Jahr 2012, entnommen.

 

Ich bin was ich bin

die sensible Starke

 

Oft am Zweifeln

zerstreut in hundert Gedanken zutiefst verletzt

zu wenig Vertrauen in mich

mir nicht bewusst, wer ich wirklich bin

 

und dennoch

unendlich stark

wissend um alles

aus dem Herzen lebend

verbunden mit allem

dankend

bis in alle Ewigkeit

 

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