LIEBE KENNT KEIN ALTER. Gastbeitrag meines Freundes

ALTER SCHÜTZT VOR TORHEIT NICHT

 

Sagt man. Zum Glück, kann ich da nur sagen. Obwohl ich gar nicht weiß, ob mein Handeln überhaupt eine Torheit ist oder war. Ein Fehler auf gar keinen Fall. Aber der Reihe nach

 

Vor acht Jahren kam ich als Endsechziger in dieses kleine Städtchen am Bodensee, um dort meine Zelte aufzuschlagen.

 

Völlig frei, ohne Pläne, ohne eine bestimmte Aufgabe, ohne zu große Erwartung

 

Ich hatte zwar mehr als zwei Koffer dabei, aber sehr viel mehr auch nicht. Wenn ich immer wieder gefragt wurde, was mich denn dorthin geschlagen habe, Liebe oder Beruf, musste ich immer wieder Beides verneinen. Heute könnte ich nachträglich eine Antwort geben. Aber damals wusste ich sie noch nicht.

 

Ich kam also in dieses kleine Städtchen. Ich liebte sofort die kleinen engen bunten Gassen, die Langsamkeit und natürlich den See. Die Geschäfte hatte ich sehr schnell gescannt, die Geschäftigkeit hielt sich in Grenzen, viele Menschen frönten mehr dem Nichtstun, mehr so wie ich. Entspannen und genießen. Viel Interessantes gab es also nicht zu entdecken.

Vor allen Dingen die Menschen stachen nicht sofort ins Auge. Ich muss sagen, ich war aus einer Großstadt kommend, natürlich diesbezüglich sehr verwöhnt. Zumal Menschen entdecken, Gesichter betrachten, eines meiner Hobbys ist. Aber so wollte ich es ja. Natur und trotzdem ein wenig Stadtgefühl.

 

 Aber dann stach mir doch ewas Interssantes ins Auge

 

Immer wieder. In einem kleinen Bio Laden stand von Zeit zu Zeit ein bildhübsches Mädchen, eine junge Frau, zart und zurückhaltend, hinter einem Käsestand. Wir lächelten uns zu, scheu, aber direkt.  Auch von außen sah ich sie an bestimmten Tagen. Auch da winkte ich und wir lächelten uns zu. Das war´s. Vorläufig.

 

Eines Tages trafen wir uns auf der Straße. Rein zufällig. Sie fuhr ein kleines Mädchen, ihre Tochter, in einem sportlichen Kinderwagen spazieren. Wir wechselten ein paar nette Worte miteinander, sie gab mir irgendwann ihre Telefonnummer und wir verabredeten, uns mal auf einen Kaffee zu treffen. Daraus wurde zunächst nichts. Wir trafen uns jetzt mehrmals auf der Straße. Natürlich immer zufällig. Das Städtchen ist schließlich ziemlich klein. Immer wieder nahmen wir uns vor, uns zu treffen. Aber auch ich war scheu.

 

Sie war zu jung für mich, viel zu jung

 

Und ich glaubte sie sei verheiratet, oder in Trennung lebend. Also lieber Abstand halten.

Zwei Jahre später war die hübsche Alexandra inzwischen umgezogen, jetzt auch wie ich mitten in dieses kleine Städtchen, in eine süße Wohnung, wie sie sagte. Und fast um die Ecke meiner Wohnung. Diesmal wurde es etwas mit dem Kaffee. Und auch mit einem Essen bei mir. Es war eine Begegnung mit einem Blitzeinschlag. Der anschließende Abschiedskuss war ein Verbotener. Alexandra schrieb mir einen Brief zu diesem Kuss. Es wäre ein Fehler gewesen. Es gäbe keine Hoffnung. Es gab auch tatsächlich keine Hoffnung, nur eine Tatsache:

 

Liebe. So umwerfend, dass alle Skrupel über Bord geworfen wurden. Zumindest zwischen uns beiden

 

Nach außen waren die Bedenken bei Alexandra noch riesengroß. Aber Liebe frisst auch Bedenken und kann wagemutig machen. Alexandra wurde wagemutig. Sie bekannte sich zu mir. Mit Haut und ihren schönen Haaren.

 

Heute sind wir längst ein Paar. Immer noch mit einem gewissen Respekt und einer Distanz, die dem Alter geschuldet ist.

 

Die große Frage ist und war immer: Wo ist da die Zukunft?

 

Die Antwort lautet: Welche Zukunft? Es gibt nur eine Gegenwart und inzwischen schon eine fünfjährige Vergangenheit. Noch immer glüht die Verbindung. Vielleicht auch, weil man den Tag, das Jetzt, den Augenblick genießen muss. Die Zukunft können wir nur in den Sternen lesen.

 

Die Liebe ist also eine Himmelsmacht

 

Sie ist unberechenbar, sie macht keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, den Farben, den Herkunftsländern oder gar dem Alter. Sie bricht sich mit Vehemenz Bahn, lässt sich nicht aufhalten, ist allzu flüchtig und muss in Watte gepackt und gepflegt werden. Denn – sie ist eine Himmelsmacht.

 

Jetzt also, nachdem Sie die Geschichte gelesen haben und vielleicht erstaunt sind - Alexandra ist fast 40 Jahre jünger als ich – weiß ich es selbst und kann die immer wiederkehrende Frage, was mich in dieses kleine Städtchen gezogen hat, beantworten:

 

Es war die große umwerfende unverhoffte Liebe am Abend meines Lebens. Es war das Glück, dieses große Geschenk, das mich erwartete. Wunderschön verpackt.

 

 

Claus von Lengerke

Chiemsee, den 30.07.16

 

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