Was ist Hochsensibilität?

Bis vor vier Jahren kannte ich selbst nicht einmal den Begriff „Hochsensibilität“.

 

Erst als eine Freundin mir das Buch „Zart besaitet“ von Georg Parlow in die Hand drückte und meinte: „Du bist bestimmt auch hochsensibel“, wurde mir der Begriff im Laufe der Lesezeit klar. Und nicht nur der Begriff, sondern auch die Tatsache, dass ich tatsächlich hochsensibel bin.

 

Dies war für mich ein unglaublicher Befreiungsschlag. Endlich fand ich Antworten und Erklärungen darauf, weshalb ich so bin, wie ich bin. Und vor allem, dass ich eben nicht verrückt, komisch oder abnormal im negativen Sinne bin, sondern einfach nur hochsensibel.

 

In der Psychologie wird Hochsensibilität als eine Veranlagung des Temperamentes beschrieben.

So wie es also Sanguiniker oder Hysteriker gibt, gibt es eben auch den Hochsensiblen (in der Temperamentenlehre, die auf den Griechen Hippokrates von Kos zurück geht,  wohl als der Melancholiker beschrieben).

 

Hochsensible Menschen werden mit einem extrem sensitiven Nervensystem und einer sehr feinen Wahrnehmung geboren. Sie nehmen also mehr auf als Normal-Sensible, fühlen sich daher auch schneller überreizt und brauchen deshalb auch mehr Ruhe- bzw. Erholungsphasen.

 

Die amerikanische Psychologin Elaine Aron, war es, die das Phänomen der Hochsensibilität in den Neunziger Jahren (wieder)entdeckte und bis heute erforscht. Sie geht davon aus, dass ca. ein Drittel der Menschheit hochsensibel ist. Bei vielen Hochsensiblen ist die Wahrnehmung sogar so sensitiv, dass sie die allgemein bekannten Sinnesorgane überschreitet.

 

Es wird also verstärkt über Gedanken, Gefühle und Bilder wahrgenommen.

 

Hochsensible sind demnach die reinsten Fühlerwesen.

 

Meist sind sie sehr kreativ und schöpferisch veranlagt, naturverbunden, tiefsinnig, spirituell, philosophisch, wahrheitssuchend und finden sich wieder in Musik und Tanz, Kunst und Meditation.

 

Hochsensible Menschen sind auch sehr empathisch.

Dieses stark ausgeprägte Mit-Fühlen macht es uns oft schwer, uns ausreichend genug abzugrenzen.

 

Aber eben dies ist so extrem wichtig für uns.

 

Mit zu unseren wichtigsten Aufgaben gehört es wohl, immer wieder ganz bewusst bei uns selbst anzukommen.

Uns und unsere Bedürfnisse zu erkennen, anzunehmen und ihnen genügend Raum zu geben.

Ansonsten fehlt uns Energie und wir fühlen uns ausgelaugt und erschöpft.

Bei ständiger Missachtung unserer Bedürfnisse führt dies über kurz oder lang natürlich zu ernsthaften Erkrankungen.

 

Auch das Gefühlsleben von Hochsensiblen ist wesentlich intensiver als das eines Normal-Sensiblen. Musik und Naturerlebnisse werden zum Beispiel sehr stark wahrgenommen und empfunden.

 

Ich kann da mal ein Beispiel von mir nennen:

 

Musik empfinde ich teilweise als Teil meiner selbst. Sie berührt mich so stark, dass ich glaube zu zerfließen oder überzuschäumen vor Glück.

 

Ein anderes Beispiel wäre:

 

Das Meer, das ich betrachte, bewegt sich förmlich in mir. Ich fühle die immense Kraft, die Wildheit, sowie die ewig währende Lebendigkeit. Diese besondere Gabe verhilft mir persönlich ganz sicher auch dazu, wunderschöne, sinnliche Gedichte/Texte zu schreiben.

 

Unsere Gefühlswelt ist aber nicht nur intensiv, sondern auch sehr empfindsam.

Kritik und dergleichen werden unmittelbarer und stärker empfunden. Wir sind schnell verletzt oder gekränkt.

Wir sind einfach wunderbar zarte Seelchen, um es mal positiv auszudrücken :-)

 

Im Allgemeinen haben hochsensible Personen ein besonderes Gespür für Schönheit und Ästhetik.

Sie arbeiten meinst sehr genau, oft schon perfektionistisch.

 

Mit unseren feinen Antennen erkennen wir kleinste Details sowie auch immer die größeren Zusammenhänge.

 

Meist sind wir introvertiert, eher scheu und schüchtern oder sogar gehemmt, vor allem bei großen Menschenansammlungen.

 

Mittlerweile habe ich noch zwei Bücher zum Thema Hochsensibilität gelesen. Beide von Sylvia Harke.

 

Diese beiden Bücher kann ich wärmstens empfehlen.

 

Sie sind sehr informativ, praktisch orientiert und es gibt darin auch einen Test, mit dem du herausfinden  kannst, ob du hochsensibel bist oder nicht.

 

Trotz aller Schwierigkeiten bzw. Herausforderungen, bin ich persönlich mittlerweile unendlich dankbar, dass ich so bin wie ich bin.

Sensibel, feinfühlig, sinnlich, scheu.

 

Einfach Wundervoll!!!

 

Ich möchte gar kein grober Klotz sein. Nein, ich möchte bleiben wie ich bin.

Ein zartes Seelchen, das die Welt mit seinem Licht beschenkt.

 

 

 

 

Dieser Artikel erscheint Ende Dezember 2016 auch auf der Homepage von Ulrich Groß.

Er ist hochsensibel und arbeitet unter anderem als Coach in Überlingen am See.

 

Schau doch mal rein!

 

 

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