Vom Hassen und Lieben, von Krieg und Frieden

Dieses Thema beschäftigt derzeit die ganze Welt.

 

Islamisten stören anscheinend unseren Frieden, Trump trampelt ebenso seinen dogmatischen, hasserfüllten Weg und viele, viele mehr. Es ist leicht im Außen die Feinde zu erkennen und zu verurteilen. Doch wie steht es eigentlich  mit uns selbst? Sind wir immer in Liebe?

 

Können wir ganz konkret und leibhaftig in unserem nahen Umfeld Frieden säen und uns in jeder Situation für die Liebe entscheiden?

 

Ich muss mir leider eingestehen, dass mir das nicht gelingt. Das finde ich beschämend. Dennoch möchte ich dir davon erzählen.

 

Es gibt einen Menschen in meinem Leben, mit dem ich noch immer nicht im Reinen bin. Einen Feind.

Einen Bösen, der mich noch immer verletzt und schlecht über mich denkt. Der mich nicht in Frieden lässt. Es ist der Vater meiner Tochter. Mein Exmann.

 

Seit über acht Jahren sind wir nun schon getrennt. Wir hatten und haben im Grunde nichts gemein und unsere Vorstellungen von der Welt könnten unterschiedlicher nicht sein. Unsere einzige Verbindung ist unsere Tochter.

 

Er hatte sich seiner Zeit sehr unschön von mir getrennt. Nie hätte ich damals gedacht, dass er das tun würde, obwohl er es mir zuvor einige Male angedroht hatte. Einige seiner Abschiedsworte lauteten: „Ich habe mir die ganze Zeit etwas vorgemacht....wenn wenigstens der Sex gut gewesen wäre...“ Und das obwohl ich ihn einen Tag zuvor nach spontanem Sex im Auto unter Tränen gefragt hatte, ob er mich liebe. Seine Antwort war ja gewesen.

 

Diese Trennung war wohl ein riesiges Trauma für mich. Ich stand wirklich unter Schock.

Plötzlich war ich auf mich alleine gestellt, musste die Verantwortung für unsere Kleine, damals 2-Jährige, voll und ganz alleine übernehmen. Wäre meine Mutter nicht gewesen, ich weiß nicht, wie ich diese Zeit überstanden hätte.

Ich habe irre gelitten, viele Ängste ausgestanden, Tage, Wochen und Monate lang.

Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem es schien, die Wunden wären verheilt. Spätestens nachdem ich meinen jetzigen Partner kennen und lieben lernte, war ich mir sicher, dass ich meinen Exmann überwunden hatte.

 

Doch aktuell habe ich eine Erwachens-Phase diesbezüglich.

 

Seit unserer Trennung standen und stehen immer wieder heftige Konflikte zwischen uns an. Einfach, weil wir unterschiedlicher nicht sein könnten. Er will, dass Isabella geimpft wird, ich nicht. Ich liebe Spiritualität, er nicht. Mir sind Statussymbole nicht wichtig, ihm schon. Ich bin super sensibel, er ganz und gar nicht. Da wir das gemeinsame Sorgerecht haben, ist es ein ständiger Kampf, sich zu einigen. Aktuell geht es um die Nachhilfe. In dieser Auseinandersetzung hatte ich nun mein inneres Erwachen.

 

Weshalb schafft es dieser Mann, mich immer noch zu verletzen. Was triggert mich da? Weshalb komme ich immer wieder in dieselbe Situation? Weshalb fürchte ich mich vor ihm?

 

Die Antwort ist eigentlich offensichtlich. Ich habe den Schmerz, den ich damals empfunden habe, immer noch nicht überwunden. Auch nicht die Wut. In mir sind noch so viele „negative“ Gefühle diesem Mann gegenüber. Mein Herz hat ihm nicht verziehen.

Und obwohl ich immer behaupte, ich könne ihn so stehen lassen wie er ist, ist das im Grunde genommen eine Lüge. Einen Scheiß kann ich!

Ich kann den Mann nicht leiden. Das ist die ehrliche Antwort. Das war eine harte Erkenntnis. Ich, die ich Frieden und Liebe predige. Ich bin diejenige, die einen Feind hat.

 

Kein schönes Erwachen. Eine bittere Erkenntnis. Aber so ist es.

Meine einzige Möglichkeit ist es also, Vergebung zu erfahren. Du wunderst dich jetzt vielleicht, weshalb ich nicht sage: ihm zu vergeben. Ich sage Vergebung zu erfahren, weil es ein Akt des Herzens ist. Etwas, was geschieht, weil sich der ganze Müll, der sich vor das Herz gelegt hat, durch Liebe transformiert. So ähnlich beschreibt es auch Thomas Hübel, ein moderner Mystiker, habe ich mir von einer Freundin sagen lassen.

 

Es ist also wahr:

 

Frieden beginnt in uns.

 

In unserem kleinsten Umfeld. Hier ist unser Übungsfeld. Hier dürfen wir beginnen zu lieben. Ich empfinde das als sehr große Herausforderung. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, hat Jesus gesagt. Das ist die Königsdisziplin. Nur so wird es möglich, dass die Erde ein friedlicherer Ort wird. Nur so können wir einander respektvoll und in Liebe begegnen.

 

Ich glaube, dazu bedarf es erst einmal Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und den Willen, sich mit sich selbst auseinander zu setzen.

 

Mich bewegt nun die Frage, wie ich es schaffe, aus meiner Trauer wieder Freude werden zu lassen. Aus meiner Ablehnung wieder Liebe. Wie ich aus der Opferhaltung heraus gelange und vor allem, wie ich die Selbst-Verurteilung und den Selbst-Hass verwandle.

Vielleicht liegt nämlich da auch der springende Punkt.

 

Wir Menschen hassen uns im Grunde genommen selbst.

 

Mit unserer Selbstliebe ist es nicht weit her. Letztlich sind wir dazu eingeladen, uns immer wieder an unseren göttlichen Ursprung zu erinnern. Ja, uns mit ihm zu verbinden. Wären wir stets in dieser Verbindung, könnte es gar keine Klein- und Großkriege mehr geben. Dann wären wir verkörperte Liebe und Frieden.

 

Wie und wo finde ich also diese Verbindung zu meinem göttlichen Funken wieder?

Bei mir ist es die Natur, die mich daran erinnert, wer ich wirklich bin. Oder die Musik und der Tanz. Oder kreativer Selbstausdruck, oder tiefsinnige Gespräche mit lieben Menschen. Für jeden wird es gewiss etwas anderes sein.

 

Ich wünsche mir und der Welt Erwachens-Prozesse. Menschen, die sich trauen sich mit ihren Gefühlen zu zeigen. Sich selbst und auch anderen. Nur gemeinsam können wir uns weiterentwickeln. Wir brauchen einen Spiegel. Wir dürfen uns unsere wahre Natur zeigen. Ohne Angst. Denn wir haben nichts zu fürchten. Wir sind einzigartig und vollständig. Wir sind ein Geschenk des Himmels. Wir brauchen uns nicht zu bekriegen. Wir dürfen uns lieben.

 

Namaste,

Alexandra

 

 

Juhuuuu....!!!!!

Dieser Artikel erscheint nächste Woche (ab 20.03.2017) auch im Compassioner :-)

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